Histamin: Migräne durch eine Intoleranz?

Migräne ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild, das bei den Betroffenen großes Leid verursachen kann. Meist sind die Betroffenen darauf angewiesen, mit Schmerzmitteln die Symptome zu dämpfen, was jedoch auch nicht immer ausreicht. Die wichtigste Maßnahme bei Migräne ist es, die ganz persönlichen Auslöser (auch Trigger genannt) zu finden und zu meiden. Doch das ist oft gar nicht so einfach. Einer dieser Auslöser kann ein Botenstoff namens Histamin sein. Er kommt ganz natürlich im Körper vor, steckt aber auch in einigen Lebensmitteln und kann bei einem Übermaß Migräne-Attacken auslösen. Wir erklären dir, was es mit diesem Stoff auf sich hat und wie Migräne und Histamin genau zusammenhängen.

Medikamente und Block mit Aufschrift "Histamine"

Was ist Histamin und was hat es mit Migräne zu tun?

Histamin ist ein Botenstoff, der im Körper vorkommt und im Zusammenhang mit dem Immunsystem und der Wundheilung steht. Er wird im Körper gebildet, steckt aber auch in vielen Lebensmitteln. Histamin selber ist meistens kein Problem, aber es setzt Stickstoffmonoxid (NO) frei, einen Giftstoff, der Migräne und andere Beschwerden auslösen kann. 

Ein Übermaß an Histamin entsteht normalerweise erst gar nicht, weil der Körper es mit dem Enzym Diaminoxidase (DAO) abbaut. Allerdings gibt es Menschen, die einen Mangel an diesem Enzym haben. Dann kann sich die Histaminmenge im Körper erhöhen und damit natürlich auch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid. Menschen, die größere Mengen an Histamin nicht gut vertragen, leiden unter einer Histaminintoleranz

Wieso kann Histamin Migräne auslösen?

Auch bei Menschen ohne Migränegeschichte kann ein Histaminüberschuss Kopfschmerzen verursachen. Grund ist vermutlich die gefäßerweiternde Wirkung von Stickstoffmonxid. Diese führt bei Patienten mit Migräne leicht zu Attacken. Studien haben festgestellt, dass vor und während Migräne-Anfällen der Histaminspiegel bei einigen Patienten auffällig hoch ist. Eine vermehrte Anzahl von Migräne-Patienten scheint zu wenig DAO zu produzieren, also unter einer Histaminintoleranz zu leiden. 

Frau mit Migräne

Wie erkenne ich eine Histaminintoleranz?

Histaminintoleranz kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die jedoch bei jedem Patienten unterschiedlich ausfallen können. Manche haben nur einzelne Beschwerden, andere reagieren dagegen sehr heftig. Zu den Symptomen einer Histaminintoleranz gehören unter anderem:

  • Migräneanfälle oder "einfache" Kopfschmerzen
  • Fließschnupfen
  • Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Blähungen oder Bauchschmerzen
  • Herzrasen oder Herzstolpern
  • Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen
  • vermehrte Regelschmerzen
  • Juckreiz auf der Haut

Wie erkenne ich einen Zusammenhang zwischen meinen Kopfschmerzen und einer Histaminunverträglichkeit?

Wenn du herausfinden möchtest, ob deine Migräne im Zusammenhang mit einer Histaminintoleranz stehen könnte, hilft vor allem eine gute Selbstbeobachtung. Notiere dir genau, wie du dich fühlst, wenn du Lebensmittel mit viel Histamin zu dir genommen hast! Treten dann die Kopfschmerzen und deine anderen Symptome häufiger auf? Diese Beobachtung wird vielleicht einige Zeit in Anspruch nehmen, denn häufig hat die Migräne nicht nur einen Auslöser, sondern gleich mehrere. Für einen intensiveren Test kannst du so vorgehen:

  1. Streiche die verdächtigen Lebensmittel für etwa zwei Wochen möglichst komplett aus deinem Speiseplan. Je weniger Histamin du in dieser Phase zu dir nimmst, desto besser. Keine Sorge: Diese Ernährung wirst du nicht dauerhaft beibehalten müssen.
  2. Baue nun über einige Wochen hin weg gezielt Lebensmittel mit höherem Histaminwert in dein Essen ein und beobachte genau, wie dein Körper reagiert! Kommt es zu Migräneattacken oder anderen Symptomen?
  3. Sprich spätestens jetzt mit deinem Arzt, wenn du eine Histaminintoleranz bei dir vermutest! Er kann dich unterstützen, eine Ernährungsform zu finden, mit der du gut zurecht kommst und bei der die Migräne möglichst selten auftritt.

Übrigens: Die meisten Patienten mit einer Histaminintoleranz sind Frauen.

Welche Lebensmittel enthalten viel Histamin?

Ganz oben auf der Liste der histaminhaltigen Lebensmittel steht Rotwein. Es gibt jedoch noch weitere Lebensmittel, auf die du bei einer Histamintoleranz vermehrt achten solltest:

  • Wein und Bier im Allgemeinen, vor allem aber Rotwein
  • verarbeitete Fleisch- und Wurstprodukte
  • geräucherter Fisch
  • gereifter Käse
  • Sauerkraut und andere fermentierte Lebensmittel
  • Essig
  • eingelegtes Essen, zum Beispiel Essiggurken, Silberzwiebeln etc.
  • Hefe
  • fermentierte Sojaprodukte
  • Spinat
  • Auberginen
  • Tomaten
  • einige Konservierungsstoffe und
  • künstliche Lebensmittelfarben
Rotwein, Käse und Wurst

Was kann ich gegen eine Histaminintoleranz tun?

Wenn sich herausgestellt hat, dass eine Histaminintoleranz Ursache deiner Migräne sein könnte, solltest du deine Ernährung umstellen. Wie bei den meisten Allergien und Intoleranzen ist es besonders wichtig, die entsprechenden Auslöser zu meiden. Das bedeutet einerseits, histaminreiches Essen so weit wie möglich zu reduzieren. Besonders Rotwein, reifer Käse und Gepökeltes sind hier "gefährlich", weil sie sehr viel Histamin enthalten. Zum anderen spielt aber auch dein Lebensstil eine Rolle:

  1. Stress scheint die Histaminmenge im Körper zu erhöhen. Versuche also, ein möglichst entspanntes Leben zu führen!
  2. Alkohol und Nikotin können das Histamin im Körper erhöhen. Deshalb ist es besser, nicht zu rauchen und keinen oder nur gelegentlich Alkohol zu trinken.
  3. Bestimmte Medikamente können den Histaminspiegel ebenfalls erhöhen. Sprich mit deinem Arzt, falls du regelmäßig Medikamente einnehmen musst!

Darüber hinaus gibt es auch Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die bei einer Histaminintoleranz eingesetzt werden können. Zum Beispiel kann die Einnahme von Vitamin C und Vitamin B6 sinnvoll sein. Sie unterstützen die Bildung von Diaminoxidase, dem Enzym zum Abbau von Histamin. Außerdem gibt es auch DAO-Präparate, die du vor dem Essen einnehmen kannst. Sie helfen dann, einen Teil des Histamins abzubauen, bevor der Körper es aufnehmen kann. In extremen Fällen kann der Arzt auch Antihistaminika verschrieben. Dabei handelt es sich um Medikamente, die die Histaminrezeptoren blockieren.

Welche Ursachen gibt es außerdem für Migräne und Kopfschmerzen?

Migräne ist ein komplexes Geschehen, das trotz vieler Studien noch immer nicht ausreichend erforscht ist. Bei jedem Patienten können unterschiedliche Trigger und Ursachen vorliegen, die dann Kopfschmerzen, Übelkeit und die anderen typischen Beschwerden hervorrufen. Neben der Histaminintoleranz kommen zum Beispiel diese Auslöser infrage:

Was kann ich gegen Migräneattacken tun?

Bei einem akuten Migräneanfall kannst du Medikamente gegen Kopfschmerzen und Übelkeit einnehmen. Es gibt aber auch spezielle Medikamente gegen Migräne. Leider schlagen sie nicht bei allen Patienten gleichermaßen an. Wichtig ist häufig eine frühzeitige Einnahme. Wenn du schon unter starken Beschwerden leidest, helfen auch die Arzneimittel nur noch wenig. Wenn die Anfälle sehr häufig auftreten und heftig ausfallen, kannst du mit deinem Arzt auch eine medikamentöse Migräneprophylaxe besprechen. Dabei nimmst du Medikamente ein, die die Häufigkeit von Anfällen reduzieren sollen. Nach einem halben oder ganzen Jahr kann man meist die Arzneimittel wieder absetzen.

Auf Dauer ist es aber wichtig, die Anzahl und Stärke der Migräneattacken zu reduzieren. Hier kommen die Trigger ins Spiel. Je genauer du deine Migräne kennst und über die Auslöser Bescheid weißt, umso leichter kannst du deine Beschwerden in den Griff bekommen, indem du die Trigger meidest.

Auch Maßnahmen wie das Erlernen von Entspannungstechniken können sehr hilfreich sein.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise und dient ausschließlich zu allgemeinen Informationszwecken. Die Informationen stellen keine konkrete Empfehlung dar und dienen keinesfalls als Grundlage für eine Selbstdiagnose! Jedenfalls ist der Rat eines fachkundigen Arztes einzuholen.