Die wohltuende Wirkung von Musik auf Körper, Geist und Seele

Musik ist ein unverzichtbarer Teil des menschlichen Lebens. Für viele ist sie ein täglicher Begleiter, der nicht mehr wegzudenken ist. Musik bringt uns zum Tanzen, macht uns glücklich, beruhigt uns, berührt uns, schenkt uns Trost und hilft uns durch schwere Zeiten. Sie ist Balsam für die Seele, fördert die geistige Entwicklung und verbindet Menschen aus aller Welt. Darüber hinaus wird sie in Teilbereichen der Medizin, wie der Psychiatrie und Schmerztherapie, eingesetzt. In diesem Beitrag erfährst du über die besondere Wirkung von Musik auf Körper, Geist und Seele. 

Eine junge Frau hört mit Kopfhörern Musik und genießt es

Wohltuende Wirkung von Musik ist seit der Antike bekannt

Dass Musik eine Wohltat für Körper wie Seele ist, war schon lange vor der Entwicklung der modernen Musiktherapie bekannt. Bereits in der Antike war man sich ihrer großen Wirkung bewusst. Der bedeutende antike Philosoph Aristoteles vertrat die Ansicht, dass Musik die Seele reinigt. Daher legte man in der Antike großen Wert auf die musikalische Erziehung von Kindern. Auch Platon machte in seinen Schriften auf die Wirkung von Klängen aufmerksam. Seiner Ansicht nach besteht eine gelungene Erziehung aus der Verbindung von Gymnastik für den Körper und Musik für den Geist. Rhythmen wie Harmonien dringen Platons Auffassung zufolge tief in das Innere der Seele ein und vermitteln eine edle Haltung.

Wirkung von Musik auf den Körper

Musik kann im Körper starke Reaktionen auslösen. Sie kann bei körperlichem Unwohlsein unterstützen, Muskelverspannungen lösen, den Blutdruck senken und Stress abbauen. Außerdem beeinflusst sie den Herzschlag, den Blutdruck, die Atemfrequenz und die Muskelspannung. Auch auf den Hormonhaushalt kann sie Effekte haben. Gut zu wissen ist, dass unser Körper auch unbewusst auf Klänge und Töne reagiert.

Positive Effekte auf das Gehirn

Sowohl Musizieren als auch Musikhören löst im Gehirn ähnliche Effekte aus wie Essen, Sport, Sex oder Drogen.

  • Körpereigene Glückshormone werden ausgeschüttet und Stresshormone abgebaut.
  • Zudem kommt es zur Ausschüttung von Dopamin, welches das Belohnungssystem im Gehirn anregt und so Motivation verleiht.
  • Insbesondere eigenständiges Musizieren fördert Neuvernetzungen der Nervenzellen im Gehirn, welche ein Leben lang erhalten bleiben.
  • Bei professionellen Musikern ist der sogenannte Corpus callosum, der beide Gehirnhälften miteinander verbindet und für die Koordination verantwortlich ist, deutlich besser ausgeprägt.
  • Da kognitive Denkprozesse angesprochen werden und das emphatische Bewusstsein steigt, ist es sinnvoll, Kinder schon früh hochwertige Musikstücke hören zu lassen. Schon in frühen Jahren können so das Sozialverhalten, die Sprachentwicklung und die Kreativität gefördert werden.
Schulkinder singen gemeinsam

Musik dirigiert den Herzschlag

Wissenschaftlichen Studien zufolge können sich die Atmung und der Blutfluss dem Rhythmus eines Liedes anpassen. Dabei findet eine dynamische Veränderung des Herz-Kreislauf-Systems statt.

Bei ruhigen Tönen schlägt dein Herz automatisch langsamer, deine Atmung wird tiefer und länger. Dein Blutdruck sinkt und deine Muskeln entspannen sich. Hörst du hingegen ein schnelles Lied, wird auch dein Herzschlag stärker. Dein Puls gleicht sich also dem Tempo und dein Gemüt der Stimmung an. Musik vermittelt Emotionen, die nicht nur deinen Gefühlszustand, sondern auch dein körperliches Befinden beeinflussen können. 

Nicht jedes Musikstück wirkt gleich

Natürlich wirkt nicht jede Art von Musik gleich. Je nach Musikrichtung unterscheiden sich die Effekte auf Körper und Psyche.

  • Allgemein lässt sich sagen, dass sanfte Klänge beruhigend wirken und das Wohlbefinden steigern.
  • Schnelle, aggressive Musikstücke sorgen für mehr Adrenalin und Energie.
  • Fröhliche Lieder hingegen erzeugen Glücksgefühle und helfen beim Stressabbau.

So wie man verschiedene Emotionen unterscheidet, gibt es auch Musik in allen möglichen Facetten. Je nach Stil kann sie dich beflügeln, beruhigen, Erinnerungen in dir wachrufen und deine seelischen sowie physischen Schmerzen beeinflussen. 

Eine junge Frau und ein junger Mann hören mit Kopfhörern Musik und tanzen fröhlich

Musikalische Vorlieben sind etwas Persönliches

Jedes Leben hat eine eigene Melodie. Jeder Mensch macht im Laufe seines Lebens unterschiedliche Erfahrungen, die unterschiedliche Gefühle und Erinnerungen hervorrufen. Während manch einer von Mahlers fünfter Symphonie tief berührt ist, kann manch anderer diese starke Gefühlsregung nicht ansatzweise nachempfinden. Das liegt daran, dass jeder Mensch Musik auf eine persönliche Weise empfindet und wahrnimmt.

Am stärksten werden wir von Musik berührt, die uns an emotionale Erlebnisse oder besondere Zeiten aus unserem Leben erinnern. Das menschliche Gehör ist eines der empfindlichsten Sinne. Unser Hörsinn ist sehr eng mit dem limbischen System verknüpft, das für unsere Gefühle verantwortlich ist. Hören wir ein Lied, mit dem wir eine bestimmte Erinnerung verbinden, wird sofort der emotionale Teil unseres Gehirns angesprochen. Dabei werden zutiefst intime Gefühle aufgewühlt, die sich meist nicht einmal in Worte fassen lassen. Unser Körper ist schneller als unser Gehirn und reagiert mit veränderter Atmung, erhöhtem Herzschlag, einem aufrichtigen Lächeln oder einer verlegenen Träne.

Balsam für die Seele

Musik kann negative Emotionen lindern und dich die Sorgen des Alltags für eine gewisse Zeit vergessen lassen. Das Eintauchen in ein Musikstück ist wie ein Eintauchen in eine neue Welt, in der man sich treiben lässt oder die es zu erforschen gilt. Unsere durch ständige Sorgen und schmerzhafte Erfahrungen geschändete Seele sehnt sich nach diesen wohltuenden Momenten der Entspannung. Musikalische Komposition und Emotion gehen Hand in Hand miteinander. Mit Klängen und Tönen lässt sich etwas ausdrücken, was mit Worten unmöglich auszusprechen ist. Ob du selber musizierst oder Zuhörer bist: du fühlst dich verbunden mit deinem Inneren, deiner Außenwelt und deinen Mitmenschen. 

Soziale Funktion: Musik verbindet

Auf der sozialen Ebene wird Musik eine besonders bedeutende Rolle zuteil. Sie stärkt das Miteinander und Gemeinschaftsgefühl. Wenn Menschen zusammen singen, schenken sie sich gegenseitig Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Achtung und Liebe. Sie werden Eins.

Oberflächlichkeiten, äußerliche Merkmale, ethnische Zugehörigkeiten etc. spielen überhaupt keine Rolle. Harmonie ist das einzige was zählt. Gemeinsames Musizieren oder Musikhören sorgt für eine starke Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin. Dadurch fühlen wir uns unseren Mitmenschen näher. Die einzigartige Gabe der Musik ist, auch zwischen völlig Fremden intime Augenblicke und innige Bindungen entstehen zu lassen, welche keinerlei Worten bedürfen. Gemeinsames Musizieren ist eine Bereicherung für alle Menschen aus allen Kulturen.

Eine junge Frau spielt Gitarre und singt mit ihren Freunden

Musiktherapie als effektive Unterstützung

Musik wird in verschiedensten Bereichen der Medizin als therapeutische Maßnahme eingesetzt. Auch in der Psychologie wird ihre therapeutische Kraft bewusst genutzt. Aufgrund ihrer stimmungsaufhellenden Wirkung wird sie beispielsweise für die Behandlung von Depressionen eingesetzt.

Zentrale Themen der Musiktherapie sind die Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung psychischer und körperlicher Gesundheit. Dabei unterscheidet man zwischen rezeptiver und aktiver Musiktherapie. In der rezeptiven Musiktherapie wird den Patientinnen und Patienten Musik vorgespielt. In der aktiven Musiktherapie hingegen erzeugen Patientinnen und Patienten selber Töne und Klänge. Dies geschieht entweder durch Gesang oder mithilfe von Instrumenten.

Musiktherapie soll psychosomatische Symptome lindern und die Kommunikationsfähigkeit steigern. Musik gewährt den Zugang zu tiefen Emotionen. Sie ermöglicht den Patientinnen und Patienten, ihren Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen. So können zum Beispiel auch Personen, die von Schlaganfall oder Alzheimer betroffen sind, bei ihrer Rehabilitation unterstützt werden. Des Weiteren kann auch in der Krebsbehandlung die gezielte Verwendung von Musik ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Ängsten und Linderung von physischen wie psychischen Beschwerden sein.