Vasektomie – wie durch Sterilisation Mann Verhütung übernimmt

Die Vasektomie ist eine der sichersten Verhütungsmethoden, dennoch schrecken die meisten Männer vor dem Gedanken zurück, sich die Samenleiter durchtrennen zu lassen. Das Interesse an einer endgültigen Lösung ist jedoch steigend. Eine Sterilisation beim Mann ist ein bedeutungsvoller Eingriff, der nicht ohne ausgiebiges Informieren sowie intensives und langes Nachdenken erfolgen sollte. Aus diesem Grund haben wir hier die wichtigsten Informationen auf einen Blick zusammengefasst.

Frau hält ein Kondom hinter dem Rücken

Wie funktioniert eine Vasektomie (Sterilisation)?

Es gibt unterschiedliche Methoden, eine Vasektomie durchzuführen, die sich in Effizienz und Sicherheit allerdings nicht sehr voneinander unterscheiden. Hat sich der Mann für einen operativen Eingriff entschieden, werden die Samenleiter durchtrennt, gegebenenfalls ein Stück entfernt oder umgeschlagen und mittels Strom oder einer Naht wieder verschlossen. Auf diese Weise können keine Spermien mehr in die Spermaflüssigkeit gelangen und eine ungewollte Schwangerschaft ist praktisch ausgeschlossen.

Für gewöhnlich werden die Samenleiter durch zwei kleine Schnitte, freigelegt. Heute kommt auch zunehmend eine neue Methode ohne Skalpell zum Einsatz, bei der das Gewebe durch minimal-invasive Instrumente vorsichtig auseinander gedrängt wird. Anschließend werden die durchtrennt und auf unterschiedlichen Ebenen wieder platziert, sodass ein Aneinanderwachsen nahezu unmöglich wird. Die Operation wird in der Regel unter örtlicher oder lokaler Betäubung durchgeführt. Eine Vollnarkose ist für gewöhnlich nicht notwendig.

Nach dem Eingriff bedarf es ein paar Tage körperlicher Schonung, schon nach kürzester Zeit spricht nichts mehr gegen Geschlechtsverkehr. Größere Nebenwirkungen sind in diesen Tagen eher nicht zu erwarten und sehr selten. Mit sportlicher Betätigung sollte der Mann allerdings bis zu zwei Wochen warten, damit die Wunde vollständig verheilen kann.

Allerdings sollte in den ersten Monaten dennoch weiter wie bisher verhütet werden, da sich auch nach dem Eingriff noch Samen in der Ejakulationsflüssigkeit befinden können. Das Ejakulat wird nach dem Eingriff noch einige Male beim behandelnden Urologen untersucht, bis sicher ist, dass alle fruchtbaren Spermien rausgespült wurden. Je häufiger der Geschlechtsverkehr, desto schneller geht das meist.

Eine Grafik zeigt eine Vasektomie

Das Vorgespräch beim Urologen

Wer in Betracht zieht, sich einer Sterilisation zu unterziehen, wird zunächst zum Gespräch in die Urologie gebeten. Dabei wird der gesamte Vorgang, bei dem die Samenleiter durchtrennt werden, vom Arzt erklärt und auf die Schwierigkeit hingewiesen, den Eingriff rückgängig zu machen. Der Urologe spricht mit dem interessierten Mann über seine Motivation, mögliche Nebenwirkungen und das weitere Vorgehen. Bei einem positiven Abschluss des Gesprächs werden am Ende die erforderlichen Unterlagen unterschrieben und ein Termin vereinbart.

Wie sicher ist der Eingriff?

Im Gegensatz zur Sterilisation der Frau ist die Vasektomie des Mannes ein sehr sicherer Eingriff, bei dem es nur in seltenen Fällen zu Komplikationen kommt. Besonders bei Ärzten mit viel Erfahrung ist das Risiko sehr gering, daher empfiehlt es sich, den Eingriff in einer Klinik vornehmen zu lassen, in der er häufiger durchgeführt wird.

Nur zwei Prozent der Patienten leiden in den ersten Tagen nach der Operation unter Blutergüssen, Druckgefühlen an den Hoden oder leichten Entzündungen. Diese Nachwirkungen sind jedoch leicht und effektiv behandelbar.

Nach einigen Monaten können durch den Druck in den Hoden, der durch die fortlaufende Produktion von Spermien entsteht, sogenannte Spermien-Granulome auftreten. Dabei handelt es sich um knotenartige Gewebeeinschlüsse, die jedoch meist unbemerkt bleiben und in unglücklichen Einzelfällen zu einer Rekanalisierung, also einem erneuten Zusammenwachsen der Spermienleiter führt.

Im schlimmsten, aber ebenfalls nicht sehr häufigen Fall, kann es zu seelischen Problemen mit der Unfruchtbarkeit der sterilisierten Männer oder zu chronischen Schmerzen kommen. Die Ursache dieser Schmerzen im Bereich der Hoden ist noch nicht ausreichend geklärt. Anscheinend verstärken sie sich bei sexueller Aktivität und können die Lebensqualität beeinträchtigen.

Gegebenenfalls wird eine erneute Operation notwendig, bei welcher der Eingriff rückgängig gemacht wird oder die Nebenhoden beziehungsweise die Samenstrangnerven entfernt werden. Wer zuvor bereits Probleme in diesem Bereich des Körpers hatte, sollte das im Gespräch mit dem Arzt vor dem Eingriff unbedingt erwähnen.

Arzt spricht mit Mann

Was ändert sich durch die Sterilisation?

Viele Männer befürchten, dass ihr Verlangen nach Geschlechtsverkehr durch eine Vasektomie beeinträchtigt werden könnte. Das ist nicht der Fall. Im Prinzip ändert sich nichts, außer dass in dem Ejakulat keine Spermien mehr enthalten sind. Sind die Samenleiter durchtrennt, besteht das Ejakulat nur noch aus der Flüssigkeit aus Samenblase und Prostata. Dadurch verringert sich die Menge um kaum wahrnehmbare fünf Prozent. Der Sexualtrieb wird nicht beeinflusst.

Wann ist eine Sterilisation für mich geeignet?

Da die Vasektomie des Mannes durchaus als endgültige Lösung zu verstehen ist, muss man laut Gesetz das 25. Lebensjahr abgeschlossen haben, ehe man sich an einen Urologen wenden kann. Allerdings wird Männern in diesem Alter stark davon abgeraten, da ein Kinderwunsch auch später noch auftreten kann.

Eine Sterilisation sollte nur machen lassen, wer die Familienplanung mit Sicherheit abgeschlossen hat. Da der Kinderwunsch auch von Seiten der Frau kommen kann, sollte diese Option von beiden Partnern gut durchdacht werden. Auch sind eine langjährige Partnerschaft und das Vorhandensein früherer Kinder zu empfehlen.

Der Mann sollte immer in Betracht ziehen, dass sich die Lebenssituation auch wieder ändern kann. Vielleicht kommt der Wunsch nach einem Kind erst spät oder die aktuelle Beziehung hält nicht und eine spätere Partnerin hat die Familienplanung noch nicht abgeschlossen. Die Entscheidung zu einer Vasektomie sollte also immer gut durchdacht und nach langem (gemeinsamem) Überlegen erfolgen.

Ein paar diskutiert

Permanente Verhütung – wie endgültig ist die Vasektomie?

Eine Sterilisation ist als endgültige Entscheidung zu sehen. Es besteht die Option, die Verbindung zum Hodensack in einer weiteren Operation von einem Urologen wiederherstellen zu lassen, allerdings kann die Fruchtbarkeit auch nach der Verbindung der durchtrennten Samenleiter nicht mit Sicherheit wiederhergestellt werden.

Die Erfolgsrate eines erneuten chirurgischen Eingriffs hängt auch bei einem erfahrenen Urologen von dem Zeitraum zwischen den beiden Operationen sowie vom Alter des Patienten ab. Zudem ist die sogenannte Refertilisierung ein wesentlich aufwendigerer Eingriff als die Vasektomie. Anstelle von 20 Minuten dauert diese Operation unter Vollnarkose bis zu zwei Stunden.

Auch wenn die Samenleiter wieder verbunden sind, hat sich die Spermienproduktion seit dem Eingriff meist verschlechtert, was die Zeugung eines Kindes aufgrund eines Mangels an befruchtungsfähigen Spermien weiterhin schwierig macht. Im Durchschnitt beträgt die Erfolgsrate etwa 70 Prozent.

Wie sicher ist der Eingriff als Verhütungsmethode?

Als Verhütungsmethode ist die Sterilisation sehr sicher. Der Pearl-Index, welcher die Effektivität einer Methode zur Verhütung angibt, liegt bei 0,1 Prozent. Diese Zahl sagt aus, dass unter 1000 Frauen, deren Mann sich hat sterilisieren lassen, nur eine pro Jahr schwanger wird. Das macht die Sterilisation zum sichersten Mittel der Verhütung, welches es bisher gibt. Zum Vergleich: die Pille hat einen Index von 0,3, da aber immer wieder Fehler gemacht werden, liegt der praktische Wert bei 8.

verschiedene Verhütungsmittel

Wer trägt welche Kosten?

Da eine Sterilisation meist nicht aus gesundheitlichen Gründen durchgeführt, trägt der Mann die Kosten meist selbst. Während die Vasektomie den Patienten in Deutschland etwa 450 bis 500 Euro kostet, bezahlt der Mann in Österreich zwischen 400 und 700 Euro. In beiden Fällen ist es sinnvoll, sich zu informieren, ob die Nachuntersuchungen in den Preis mit eingeschlossen sind.

Eine Vasektomie ist eine sehr sichere und zuverlässige Methode, die die Zeugung weiterer Kinder verhindert. Dennoch sollte die Entscheidung mit Bedacht getroffen werden und auf jeden Fall mit der betroffenen Frau abgesprochen werden. Das Risiko ist relativ gering, allerdings ist die Gefahr, dass die Beziehung nicht hält und eine neue Frau die Situation ändert, verhältnismäßig groß – etwa 10 Prozent der Männer entscheiden sich anschließend für eine Vasovasostomie, also eine Zusammenführung der durchtrennten Samenleiter.

Informiere dich bei Interesse in Ruhe und gib euch beiden einige Monate Zeit, um über die Entscheidung nachzudenken! Vielleicht empfiehlt es sich auch mit Männern in Kontakt zu treten, die sich einer Vasektomie unterzogen haben und ihre Erfahrungen teilen möchten. Eine Sterilisation kann eine wunderbare Möglichkeit sein, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wird.