Verhärtete Faszien erkennen und Schmerzen auf Dauer lösen

Rückenschmerzen und andere Schmerzen im Körper, die keine schnell erkennbare Ursache haben, behindern die Beweglichkeit im Alltag. Das betrifft nicht nur Menschen, die körperlich schwer arbeiten müssen – sehr viele sitzende Berufe verursachen dauerhafte Rückenschmerzen und Probleme mit Schulter und Nacken. Verklebtes Bindegewebe kann Schmerzen und Verspannungen am ganzen Körper auslösen. Beschädigte oder verklebte Faszien sind häufig die Ursache für chronische Bewegungsschmerzen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich – zu wenig oder aber auch zu viel Bewegung sowie Stress können zu Beschwerden führen. Wir erklären, wie Du Deine Faszien elastisch und geschmeidig erhalten kannst und welche Möglichkeiten es gibt, Schmerzen dauerhaft zu vermeiden.

Knieschmerzen

Verklebte Faszien: Schmerzen erkennen und nachhaltig beseitigen

Typische Schmerzen, die von verhärteten oder verklebten Faszien ausgelöst werden, können als

  • brennend,
  • ziehend,
  • stechend (in der Nähe von Gelenken),
  • oder schneidend

beschrieben werden. Faszienschmerzen treten am gesamten Körper auf. Häufig sind die Lendenwirbelsäule, der Nacken und der Bereich des Sprunggelenkes (Achillessehne) davon betroffen. Da Deine Faszien mit den Muskeln in Verbindung stehen, kommen Schmerzen, die ihre Ursache im Bindegewebe haben, oft gemeinsam mit Muskelschmerzen vor. Die Unterscheidung ist auch für Fachleute oft sehr schwer.

Eine weitere wichtige Eigenschaft von Faszienschmerzen ist die Tatsache, dass sie an einem ganz anderen Ort, als jenem, der die Schmerzen verursacht, zu spüren sein können. Wenn zum Beispiel ein Fuß umknickt, kann das am Knie schmerzen, da die Spannung im Gewebe über die Faszien am Bein ans Knie weitergegeben wird. Werden Faszienschmerzen nicht rechtzeitig erkannt oder ignoriert, können sie chronisch werden. Um das zu verhindern, hilft es, Grundsätzliches über das faszinierende System der Faszien in Deinem Körper zu wissen.

Frau vor Smartphone.

Welche Arten von Faszien gibt es im Körper?

Je nach Position und Funktion unterscheidet man drei Arten von Faszien:

  • Oberflächliche Faszien liegen direkt unter der Haut, umschließen Organe und Drüsen und dienen als Füllmaterial.
  • Tiefe Faszien umhüllen Knochen, Muskeln, Blutgefäße und Nervenbahnen. Sie sind weniger dehnbar und elastisch, dafür empfindsamer durch Rezeptoren. Sie bestehen zu einem großen Teil aus wellenförmigen Kollagenfasern, die sehr belastbar sind.
  • Viszerale Faszien umschließen die inneren Organe.

Faszien stützen Deinen Körper und verleihen ihm Stabilität und Form. Arme und Oberkörper werden durch Deine Faszien zusammengehalten und stabilisiert. Am Rücken spielt die „Lumbalfaszie“ eine wichtige Rolle, da sie dem Wirbelsäulenbereich Schutz und Stütze gibt. Sie ist so robust und stark wie 50 Frischhaltefolien übereinander. Ohne sie wäre ein aufrechter Gang gar nicht möglich. Langes Sitzen in schlechter, nicht ergonomischer Körperhaltung kann die Lumbalfaszie ausleiern und zu Schmerzen führen. Ohne Fasziensystem würden Deine Muskeln in sich zusammenfallen, da sie diese umhüllen. Es besteht zu einem großen Teil aus:

  • Wasser,
  • Kollagenfasern und
  • Elastin.

Das verleiht ihnen Gleitfähigkeit und eine elastische Eigenschaft. Dadurch können Deine Muskeln geschmeidig bewegt werden. Deine Faszien trennen Deine Muskeln bei Bewegung auch voneinander, so dass keine Reibung entsteht. So schützen sie vor Verletzungen. In gesundem und trainiertem Zustand, sind sie so reißfest und biegsam wie Bambus.

Was sind mögliche Ursachen für Schmerzen?

Bewegungsabhängige Schmerzen, können unterschiedliche Ursachen haben. Meist kommen sie von:

  • Muskeln
  • Sehnen
  • Gelenken
  • Bändern
  • Knochen
  • oder eben aus dem Bindegewebe.

Anders als Knochen, Muskeln oder Organe, die im Röntgen oder in der Magnetresonanz sichtbar sind, können Faszienschmerzen nicht so leicht ersichtlich sein. Wenn nur Gelenke und Muskeln behandelt werden, dann kommt es nicht immer zum dauerhaften Verschwinden der Schmerzen. Bei Rückenschmerzen werden jetzt immer mehr die Faszien-Bindegewebe in den Fokus gerückt. Die Gründe für Schmerzen, die von beschädigten, ausgetrockneten oder verklebten Faszien kommen, sind aber immer dieselben. Meist sind das:

  • Bewegungsmangel,
  • Überlastung oder
  • Stress.

Bewegungs- oder Rückenschmerzen können bereits in jungen Jahren auftauchen. Eine wichtige Prävention für Geschmeidigkeit und schmerzfreie Bewegungsabläufe ist daher Entspannung und Bewegung. Faszienschmerzen können mit etwas Übung durch gezieltes Training beseitigt werden.

Yoga

Wie entstehen Faszienschmerzen?

Gesunde Faszien schwingen und gleiten in einer gelartigen Flüssigkeit. Bei Überbeanspruchung oder Bewegungsmangel kann es zu Entzündungen kommen. Das Bindegewebe beginnt dann zu wuchern und mit der Umgebung zu verwachsen. Da viele Nerven in den Faszien enden, kann es bei Bewegung zu Schmerzen kommen. Ein Grund für Beschwerden kann auch sein, dass die verhärteten Faszien nicht mehr frei gleiten können. Wachsen sie in glatte Muskelfasern ein, kann das bei Bewegung noch mehr unangenehm zu spüren sein. Deswegen ist es wichtig, bei Faszienschmerzen rechtzeitig zu handeln.

Was hilft gegen Schmerzen und verklebtes Bindegewebe?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten und Methoden, die Faszien lösen und Verklebungen an Oberschenkeln, Rücken, Beinen und Knien aufheben können. Gegen verklebte Faszien helfen:

  • Shiatsu oder Druckmassagen
  • Regelmäßiges Faszientraining mit oder ohne Utensilien (Rolle, Bälle usw.)
  • Flüssigkeit, viel Trinken
  • Basische, gesunde und ausgewogene Ernährung für einen idealen Säuren-Basen-Haushalt
  • Regelmäßige Bewegung und Sportarten wie Faszien Yoga, Tai-Chi, Pilates, Trampolinspringen oder andere federnde Bewegungsarten.

Ideal ist eine Therapie, die alle Aspekte berücksichtigt und vereint.

Faszientraining mit Tennisbällen

Warum kann Shiatsu gegen Bewegungsschmerzen helfen?

Eine Möglichkeit, von außen auf das Bindegewebe einzuwirken, ist die japanische Körpertherapie Shiatsu.

  • SHI heißt auf Japanisch „Daumen",
  • A steht für "und"
  • und TSU bedeutet Druck (Daumen und Druck Massage).

Die Daumendruck-Massage basiert auf den Grundlagen der traditionellen chinesischen Medizin TCM, dem Konzept von Ki (japanisch für Lebensenergie) und der Fünf-Elemente-Lehre. Nach diesem Konzept fließt die Energie in Meridianen, die den ganzen Körper wie ein Netzwerk durchdringen. Jedem Meridian sind Organe zugeordnet. Über diese Meridiane werden sie mit Energie versorgt. Entlang der Meridiane befinden sich Tsubos, Druckpunkte. Je nach Lage haben diese Punkte bestimmte Auswirkungen auf den menschlichen Körper.

Dr. Andrea Baumgartner ist Shiatsu-Expertin uns hat sich intensiv mit gezieltem Faszientraining beschäftigt. In ihrem Buch: Innovative Faszien Arbeit gibt sie praktische Tipps für Übungen, die Verspannungen lösen und ganz leicht zuhause praktiziert werden können und liefert auch wertvolle Hintergrundinformationen über das Faszien-System. Auch ihrer Seite finden sich Termine zu Basis Shiatsu Kursen und Faszien-Fitness (Do-In Gruppen) und in ihrer Praxis in Thernberg.

Wie kannst Du Faszien Schmerzen im Voraus verhindern?

Wer sich oft genug bewegt, dabei nicht überlastet und sich gesund ernährt, kann damit sehr viel zu seiner Fasziengesundheit beitragen. Regelmäßige Entspannungseinheiten wie Meditation können Stress beseitigen oder die Psyche darin bestärken, damit sinnvoll umzugehen. Genussmittel wie Alkohol, Nikotin oder Zucker übersäuern den Körper. Das fördert Entzündungen und Verklebungen.

Regelmäßige Shiatsu-Einheiten entspannen den ganzen Körper, die Psyche und lassen die Energie wieder fließen. Sie sind mehr als nur Massage und bieten Deinem gesamten Organismus die Möglichkeit zur Erholung und Stärkung. So bekommst Du wieder mehr Beweglichkeit, Energie und Körperspannung, die sehr wichtig für die Meisterung Deines Alltags ist.

Ist Faszien-Training schmerzhaft?

Es ist ein hartnäckiges und weit verbreitetes Gerücht, dass Faszienfitness schmerzhaft ist. Es kann gut sein, dass am Anfang der Übungen die Verklebungen an Oberschenkeln, Schulter, Rücken, Oberarmen oder Waden ein wenig schmerzen oder zu spüren sind. Je öfter die Übungen mit der Rolle oder die federnden Bewegungen ohne Hilfsmittel durchgeführt werden, desto geringer werden die Probleme, oder du löst die Faszien mit dem MASTER POINTER.

Wichtiger Hinweis: In diesem Beitrag werden nur allgemeine Hinweise gegeben, er stellt keine Grundlage für eine Selbstdiagnose dar! Bitte jedenfalls einen fachkundigen Arzt zu Rate ziehen.

Der Experte dahinter
Dr. Andrea Baumgartner, ABC-Shiatsu

Baumgartner Andrea, Dr.

Mag. Dr. Andrea Baumgartner ist Dipl. Shiatsu Praktikerin und Ernährungswissenschafterin. Darüber hinaus darf sie sich als Senior Teacher nach ÖDS-Kriterien und Reiki Meisterin bezeichnen.