Angst vor Einsamkeit? So überwindest du die Furcht und Isolation

Die Angst vor dem Alleinsein ist genauso wie die Angst vor dem Tod tief in uns verankert. Einsamkeit ist in der heutigen Zeit so präsent wie lange nicht mehr. Vor allem Menschen, die in Zeiten von Pandemie und Isolation alleine leben, sind stark von Einsamkeit betroffen. In diesem Beitrag erfährst du, wie du mit der Angst vor Einsamkeit umgehen kannst und wie du es schaffst, sie zu überwinden. 

Eine Frau blickt traurig aus dem Fenster

Woher kommt die Angst vor Einsamkeit?

Niemand ist gerne alleine, zumindest für einen längeren Zeitraum. Die Angst vor Einsamkeit ist also bis zu einem gewissen Grad völlig normal. Verstärkt auftauchen kann sie in sehr emotionalen Situationen, in denen man mit Verlust konfrontiert wird, wie beispielsweise nach dem Ende einer Beziehung oder dem Tod eines Nahestehenden.

Die Angst davor, einsam zu sein, lässt sich, wie so viele Dinge, auf Erfahrungen in der Kindheit zurückführen. Frühe Verlusterfahrungen, ein langer Krankenhausaufenthalt, Überbehütung oder Vernachlässigung können dafür sorgen, dass man nur mit großem Unbehagen alleine sein kann. Kinder, die nicht gelernt haben, sich mit sich selbst zu beschäftigen und sich selbst zu genügen, tun sich im Laufe des Lebens extrem schwer mit dem Alleinsein. Ohne andere Menschen tritt in ihnen eine innere Leere auf, die sie selbst nicht füllen können.

Wie erkennt man die krankhafte Angst vor Einsamkeit?

Das Angstgefühl variiert in ihrer Intensität. Während manche Menschen z. B. einfach nicht Single sein können und Furcht davor haben, ihren Partner zu verlieren, leiden manch andere an einer pathologischen Angst vor dem Alleinsein. Diese Angststörung wird als Autophobie bezeichnet. Bei einer Autophobie ist die große Panik vor dem Einsamsein einhergehend mit einem großen Leidgefühl. Betroffene entwickeln auch körperliche Symptome und leiden in manchen Fällen an Panikattacken. Zu den körperlichen Symptomen gehören

  • starkes Schwitzen,
  • beschleunigter Herzschlag,
  • schnelle Atmung,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Durchfall und
  • Schwindel.

Wer an Autophobie leidet, will andauernd in Gesellschaft anderer Menschen sein. Alleine sein ist für Betroffene fast nicht auszuhalten. Daher äußert sich Autophobie durch ständige Geschäftigkeit und eine hohe Anzahl an sozialen Kontakten. Isolation wird, so gut es geht, vermieden. Neben der Angst vor Einsamkeit fürchten Betroffene, von anderen abgelehnt oder ignoriert zu werden. Die Ursachen für Autophobie liegen ebenfalls in der Kindheit. Sie ist also nicht angeboren, sondern immer mit traumatischen Lebensereignissen verbunden. 

Eine besorgte Frau sitzt auf dem Boden und lehnt sich am Bettrand an

Was ist der Unterschied zwischen Einsamkeit und Alleinsein?

Einsamkeit und Alleinsein werden oft als Synonyme füreinander verwendet. Dabei bedeuten sie im Grunde etwas völlig Unterschiedliches. Ob man allein ist, lässt sich objektiv von außen beobachten. Einsamkeit dagegen ist ein subjektives schmerzhaftes Gefühl der innerlichen Isolation. Es ist ein Zustand, den man sich nicht selbst aussucht. Das Gefühl ist stets negativ behaftet und wird durch emotionale Defizite ausgelöst. Einsam sein ist also eine sehr schmerzhafte Erfahrung. Einsame Menschen sind unglücklich mit ihrem Leben, ihren sozialen Beziehungen und mit sich selbst. Sie fühlen sich abgeschnitten, abgestoßen, nicht dazugehörig und nicht geliebt.

Im Gegensatz dazu ist Alleinsein ein selbst gewählter Zustand. Allein zu sein wird eher mit positiven Aspekten assoziiert. Dabei kann man sich zurückziehen, sich Zeit für sich nehmen und wieder Energie tanken. Eine kleine Auszeit bzw. Zeit für sich ist enorm wichtig und sollte im Leben nicht zu kurz kommen. Den einen Tag verbringt man bewusst alleine und am nächsten Tag trifft man sich wieder liebend gerne mit Freunden oder Familie. Natürlich ist hier von bewusstem Alleinsein die Rede. Wenn tatsächlich keinerlei Bezugspersonen vorhanden sind, ist eher die Rede von sozialer Isolation, welches wiederum sehr schädlich für das Wohlbefinden ist. 

Wie gefährlich ist dauerhafte Einsamkeit?

Menschen sind soziale Wesen, die zwischenmenschlichen Austausch und emotionale wie körperliche Nähe zu ihren Mitmenschen brauchen. Wir wollen wahrgenommen, akzeptiert, gemocht und geliebt werden. Panik vor dem Alleinsein kann entstehen, weil wir diese Nähe und Zuneigung eventuell nicht genügend zu spüren bekommen.

Ein lang andauerndes Gefühl von Einsamkeit ist sehr ernst zu nehmen und keinesfalls eine Kleinigkeit. Wenn du dich nicht nur in manchen Momenten einsam fühlst, sondern regelmäßig oder ständig, obwohl du dich in Gesellschaft befindest, ist das ein Zeichen, dass du etwas verändern solltest. Das Einsamsein über einen längeren Zeitraum hinweg kann nämlich schwere gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Nicht umsonst ist die Isolationshaft eine grausame und unmenschliche Foltermethode. Das Einsamsein sorgt für puren Stress, der eine starke Belastung für Körper und Geist darstellt. Auftreten können neben Symptomen wie

  • Müdigkeit,
  • Abgeschlagenheit,
  • innere Leere,
  • Depressionen,
  • Selbstmordgedanken,
  • Schlafstörungen auch
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Noch dazu führen einsame Menschen eher einen ungesunden Lebensstil, der Übergewicht und Rauschmittelsucht zur Folge haben kann.

Ein Mann mit Maske ist durch eine Glasscheibe getrennt von seiner Familie

Wie kann man die Angst vor Einsamkeit überwinden?

Die Angst, einsam zu sein, kann jeden noch so geselligen Menschen treffen. In der Corona-Pandemie sind wir neben dem ganzen psychischen Druck auch mit Isolation konfrontiert. Soziale Kontakte wurden auf ein Minimum reduziert, in einigen Ländern durfte man nicht mal für einen Spaziergang vor die eigene Haustür gehen. In diesen Extremsituationen ist menschlicher Zusammenhalt entscheidend. Doch nicht jeder ist mit dem Glück gesegnet, in dieser Krisenzeit zusammen mit den Bezugspersonen unter einem Dach zu leben. Viele wohnen alleine, ohne Eltern, ohne Freunde, ohne Partner, ohne Kinder. Da ist die Angst vor Einsamkeit so präsent, wie vielleicht noch nie zuvor im Leben. Die folgenden Tipps sollen dich im Umgang mit dem Alleinsein unterstützen und dir helfen, deine Angst davor, einsam zu sein, überwinden zu können.

  • Hab Vertrauen in die innere Verbundenheit! Klar, Menschen, die man gerne hat oder liebt, will man am liebsten so viel wie möglich bei sich haben. Doch geliebte Menschen sind bei dir auch dann, wenn sie körperlich nicht anwesend sind. Liebe geht über das Körperliche hinaus. Hab Vertrauen in die Bindung zu deinen Liebsten! So wirst du dich auch nicht einsam fühlen, wenn du für längere Phasen alleine bist.
  • Akzeptiere deine Ängste! Nimm wahr, wie du dich fühlst und ignoriere es nicht! Wenn du deine Gefühle akzeptierst, wird es dir leichter fallen, mit ihnen umzugehen!
  • Pflege deine sozialen Kontakte! Selbst wenn du nicht die Zeit oder Möglichkeit hast, deine Freunde oder Familie jede Woche zu treffen, kannst du dich zumindest regelmäßig bei ihnen melden. Vernachlässige dein Sozialleben nicht!
  • Genieße die Zeit mit dir selber! Allein sein ist nichts Schlechtes. Schon Goethe hat gesagt, dass Einsamkeit was Schönes ist, wenn man mit sich im Frieden ist und etwas zu tun hat! Gehe deinen Hobbys nach und beschäftige dich mit deiner Persönlichkeitsentwicklung! Nutze die Zeit ohne andere sinnvoll! Wichtig ist, dass du bei dem, was du machst, Spaß hast.
  • Ändere deine Denkweise! Du brauchst keinen Partner bzw. keine Partnerin, um glücklich zu sein! Selbstliebe ist der Schlüssel für ein glückliches Leben. Mit der Einstellung wirst du auch viel entspannter lieben können und zukünftige Beziehungen freier führen können.