Wie du aus Fehlern lernen und als Mensch wachsen kannst

Du kennst wahrscheinlich das Zitat von George Santayana: "Diejenigen, die die Vergangenheit vergessen, sind dazu verdammt, sie zu wiederholen." Es ist eine kluge Zusammenfassung des wichtigsten Grundes, warum man aus Fehlern lernen sollte: weil Menschen so leicht vermeiden können, die gleichen Fehler zu wiederholen. Kommen wir also ohne Umschweife zur Sache: Warum musst du aus deinen Fehlern lernen? Und, vielleicht noch wichtiger, wie kannst du das schnell und effektiv tun?

Eine Frau, die aus Fehlern lernen will, bedeckt ihr Gesicht schamvoll mit den Händen.

Welche zwei Fragen musst du dir stellen, wenn du aus Fehlern lernen willst?

Will ein Mensch aus Fehlern lernen, muss er sich natürlich zunächst eingestehen und zugeben, dass welche gemacht wurden. Das gilt für solche offensichtlichen Dinge wie das Qualitätsmanagement in der lokalen Schlachterei bis hin zu gesellschaftlich und zivilisatorisch bedeutenden Themen wie dem Kinderschutz.

Stimmt das Ergebnis eines Projekts nicht mit den Erwartungen überein, frag dich zunächst, was du anders hättest tun können, um den Fehler zu vermeiden! Dabei geht es gerade nicht darum, was du getan hättest, wenn du irgendwie gewusst hättest, dass es ein negatives Ergebnis gibt. Das ist der Job des Qualitätsmanagements. Es geht vielmehr darum, welche Maßnahmen du zu welcher Zeit hättest ergreifen können, um dich davor zu "schützen", dass ein unvorhergesehenes Problem überhaupt auftritt. 

Zweitens, frag dich, welche Türen durch den Fehler geöffnet wurden! Fast alles, was wie ein Problem aussieht, hat in Wirklichkeit einen Silberstreifen am Horizont. Menschen, die über den Tellerrand schauen und diesen Silberstreif identifizieren können, können häufig zumindest einen Teil der Situation oder des Projekts retten und daraus lernen.

Müde und ratlos wirkende Frau auf dem Sofa vor einem Berg von Akten.

Warum ist das Streben nach Perfektion ein Garant für Fehler?

Nehmen wir als Beispiel die Themen Elternschaft und Kinderschutz. Wer würde nicht zugeben wollen, dass er danach strebt, ein perfekter Elternteil zu sein? Doch hättest du gedacht, dass dieser Anspruch mit dem Ideal des Kinderschutzes sehr häufig nicht in Einklang zu bringen ist? Deshalb vertuschen wir unsere Fehler, wünschen sie weg oder setzen uns selbst zu sehr unter Druck, indem wir unerbittliche Standards für die Erziehung setzen. Das steht dem Kinderschutz und Kinderwohl nicht selten diametral entgegen.

Wie soll man so aus seinen Fehlern lernen? Denk zum Beispiel an den unangemessenen Druck, den wir auf uns und unsere Familien ausüben, sowie an die Spannungen und negativen Emotionen, die dadurch in unseren Häusern entstehen. Das sind typische Verhaltensweisen von Narzissten und haben mit Kinderschutz nichts zu tun. Und was passiert mit den Kindern? Bei ihren Versuchen, mit den negativen Rahmenbedingungen zuhause umzugehen, treffen unsere Kinder bestimmte Entscheidungen für sich selbst. Entweder versuchen sie, uns zu gefallen, indem sie äußerlich kooperativ, aber innerlich nachtragend sind, oder indem sie offen trotzig und rebellisch, aber innerlich unsicher sind. Das hat wenig mit Kinderschutz zu tun, nicht wahr? Dies sind maladaptive Verhaltensweisen, die es unseren Kindern schwer machen, sich gut an andere Lebenssituationen anzupassen. Also, denk noch einmal darüber nach, was du daraus lernen kannst! Ist dir das Streben nach Perfektion dies wert? 

Mann formt mit Händen Rahmen um entferntes Objekt.

Muss man zum Lernen aus Fehlern manchmal seine Sichtweise ändern?

Einen Fehler zugeben und sich eingestehen, dass man Schuld an einer Sache hat, die vielleicht sogar Konsequenzen für andere hat, ist eine wichtige Voraussetzung, um aus Fehlern lernen zu können. Ob du beim Qualitätsmanagement in der Nahrungsmittelindustrie tätig bist, im Kinderschutz, in der Jugendhilfe, an der Hochschule oder im Bereich der sozialen Arbeit: Über einen Fehler Bescheid zu wissen und dies transparent zu kommunizieren, ist eine Grundvoraussetzung, um daraus zu lernen.

Sobald ein Fehler gemacht wurde, ist es deshalb vor allem entscheidend, dass man ihn sofort als Chance sieht, daraus zu lernen und die Entschlossenheit sowie das eigene Wissen zu stärken! Es ist wichtig für die eigene Psychologie, diesen Prozess vom Thema der Schuld zu trennen. Tatsächlich ist dies aus Sicht der Psychologie die perfekte Zeit zum Lernen. Irgendetwas ist offensichtlich schief gelaufen und du musst jetzt nicht nur begreifen, was passiert ist, sondern auch die Situation, in der du dich befindest, voll und ganz akzeptieren. Eingestehen und lernen gehen zwar Hand in Hand, es ist jedoch wichtig, dass du die Umstände nicht überbewertest, indem du den Fehler aufbauschst! Nimm ihn einfach als das, was er ist, und gehe ihn aus einer Problemlösungsperspektive an! Frag dich dazu:

  1. Inwiefern ist dieses Ergebnis hilfreich?
  2. Wofür bin ich dankbar?
  3. Was ist hier die Chance, was kann ich lernen?
Ein junger Mann klatscht nach einem Fehler die Hand vor die Stirn.

Was ist falsch gelaufen? Wichtige Fragen

Die einzig richtige Möglichkeit, einen Fehler aufzuarbeiten, um ihn kein zweites Mal zu begehen und daraus zu lernen, besteht darin, ein tiefes und gründliches Verständnis dafür zu erlangen, was falsch gelaufen ist, inklusive der fehlerhaften Rahmenbedingungen. Die folgenden Fragen können in allen Bereichen angewendet werden, in denen man aus einem negativen Ergebnis lernen möchte, vom Qualitätsmanagement in der Buchhaltung bis hin zur Analyse von Schwachstellen in einem Projekt zum Kinderschutz.

  • Was habe ich falsch gemacht?
  • Was kann ich daraus lernen?
  • Welche Ereignisse haben zu diesem Fehler geführt?
  • Welches Wissen hat mir gefehlt?
  • Wie hätte der Fehler möglicherweise vermieden werden können?
  • Hat mich dieser Fehler verändert?
  • Wie hat dieser Fehler mein Denken geprägt und mein Wissen erweitert?
Eine Frau hält ein Buch und beißt auf einen Stift. Eine Kreidetafel ist im Hintergrund.

Traust du dich, dein Leben nach dem Prinzip "Trial and error" anzugehen?

Die Welt ist leider unglaublich kompliziert. Wir müssen lernen, uns einzugestehen, dass man von niemandem erwarten kann, dass er von Anfang an alles richtig macht. Selbst die außerordentlich klugen, gebildeten und talentierten Menschen erhalten regelmäßig negatives Feedback. Was sie von den anderen, nicht so klugen, gebildeten oder talentierten Menschen unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie kein Problem damit haben, sich das einzugestehen, eine Entschuldigung auszusprechen und daraus zu lernen.

Eine positive Fehlerkultur ist in der heutigen Gesellschaft leider immer noch alles andere als die Regel, sowohl im beruflichen wie auch im privaten Bereich. Die Technik, die man zum Lösen von Problemen, zum Ausprobieren neuer Dinge in dieser komplexen Welt sowie auch zur Etablierung einer gesunden Fehlerkultur anwenden sollte, ist daher der Trial and Error Ansatz. Wenn du mit einem Problem konfrontiert wirst:

  1. Triff bewusst die Entscheidung, viele verschiedene Dinge auszuprobieren und scheue dich nicht davor, frühe Hilfen in Anspruch zu nehmen oder die eine oder andere Entschuldigung auszusprechen, wenn etwas schief geht!
  2. Entwickle einen systematischen Weg, um festzustellen, was funktioniert und was nicht!
  3. Analysiere die Daten, die du durch das Ausprobieren erhältst, nimm alle notwendigen Anpassungen vor und versuche es erneut!
Eine entspannte Frau mit verschränkten Armen hinter dem Kopf und geschlossenen Augen sitzt auf dem Sofa.

Hast du aus deinen Fehlern gelernt? Wie kannst du es beim nächsten Mal besser machen?

Man kann nicht für jede Situation im Leben rückwirkend Qualitätsmanagement betreiben und jeden Irrtum aufklären oder korrigieren. Das muss man sich ebenso eingestehen wie man sich merken sollte, dass falsche Antworten oder falsche Entscheidungen manchmal unausweichlich sind und Konsequenzen für andere Menschen haben können, die man nicht absehen konnte. Das sollte einen allerdings nicht davon abhalten, Sachen auszuprobieren.

Dein Leben verlangt mutiges, beharrliches Experimentieren, um die richtigen Antworten zu finden. Hab keine Angst vor schlechten Noten, solange du daraus lernen kannst, jeder macht schließlich Fehler! Wir sollten aufhören, Angst vor dem Unvermeidlichen zu haben und nach Wegen suchen, unsere Irrtümer in etwas Positives zu verwandeln. Das tun wir, indem wir unsere Fehler, selbst die vermeintlich größten Fehler, in Möglichkeiten verwandeln, daraus zu lernen und zu wachsen. Leb dein bestes Leben, indem du aus deinen Fehlern lernst!