Wie viel Streit in einer Beziehung ist normal?

Jede Beziehung hat ihren Anteil an Konflikten und Meinungsverschiedenheiten. Doch ist es wirklich gesund, wenn Paare sich streiten? Wie viel Streit in einer Beziehung ist normal? Wann wird es zur Gefahr für die Liebe, wenn Partner ständig Streit miteinander haben und ihre Beziehung damit belasten? Diesen Fragen gehen wir hier nach. 

Wie viel Streit in einer Beziehung ist normal? Paar während eines großen Streits, der Mann schreit die Frau an.

Wie viel Streit in einer Beziehung ist normal und ab wann wird es kritisch?

Die Antwort auf die Frage, wie viel Streit in einer Beziehung normal ist, kann man nicht pauschal geben. Vielmehr geht es darum, wie Partner Konflikte in ihrer Beziehung austragen. Wenn du Zweifel hast, ob die Liebe noch eine Zukunft hat, weil du ständig Streit mit deinem Mann oder deiner Frau hast, dann kannst du zunächst einmal beruhigt sein. Denn solange Menschen ihre Beziehung durch gesunden Streit und richtiges Streiten gestalten, gibt es keinen Grund zur Sorge.

Gibt es so etwas wie einen gesunden Streit?

Wenn du und dein Partner häufig Auseinandersetzungen habt, es dabei aber selten bis gar nicht eskaliert, dann mach dir nicht zu viele Sorgen! Die Antwort auf die Frage, ob es so etwas wie einen gesunden Streit gibt, lautet nämlich wie folgt: Ja! Streiten und Liebe gehören zusammen, ob zwischen Erwachsenen oder zwischen Eltern und Kindern.

Eine gesunde Beziehung bedeutet gerade nicht, dass es keine Konflikte gibt, sondern dass man gute Kommunikationsfähigkeiten hat, um diese Konflikte zu lösen. Und was bedeutet das genau? Nun, du und dein Partner könnten in einen großen, hässlichen Zank geraten. Das ist unzweifelhaft ein rotes Tuch, egal wie selten eine solche Situation vorkommt. Andererseits könntet ihr beide die ganze Woche über streiten und trotzdem positive Gefühle füreinander hegen. Das ist völlig in Ordnung. Es geht weniger um die Quantität als um die Qualität.

Ist die Häufigkeit von Konflikten ein guter Indikator für die Gesundheit einer Beziehung?

So kontraintuitiv dies auch klingen mag und so unangenehm sich ein heftiger Streit auch anfühlen mag, er kann Paaren tatsächlich helfen, zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen oder sie zu Veränderungen inspirieren, welche die Liebe stärken. Wichtig ist nicht, ob sich Paare streiten, sondern wie sie sich streiten. Hier ist ein wichtiger Tipp: Wenn Paare zwar streiten, aber die folgenden vier Verhaltensweisen vermeiden, dann ist die Liebe sehr wahrscheinlich nicht in Gefahr.

Was sind Anzeichen dafür, dass ich in einer toxischen Beziehung lebe?

  1. Abwiegeln: Den Partner ausblenden, ein Gespräch oder Streitigkeiten unterdrücken.
  2. Defensivität: Keine Verantwortung für die eigene Rolle in einer Meinungsverschiedenheit übernehmen.
  3. Kritisieren: Angriffe auf den Partner, anstatt sich auf ein einzelnes Anliegen zu konzentrieren.
  4. Verachtung zeigen: Überheblichkeit und mangelnder Respekt gegenüber dem Partner.

Ein weiterer wichtiger Indikator für die Stärke einer Partnerschaft, wenn es um das Streiten geht, ist die Frage, ob die Partner in ihrem Streitstil übereinstimmen. Wenn zum Beispiel sehr leidenschaftliche und gefühlsbetonte Frauen und Männer oder zwei konfliktscheue Partner zusammenkommen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie mit den Auseinandersetzungen in ihrer Beziehung besser zurechtkommen, als bei Paaren, die unterschiedliche Stile für das Austragen von partnerschaftlichen Konflikten haben.

Mann liegt auf Sofa und betrachtet sein Handy, seine Freundin steht über ihm und schreit ihn durch ein Megaphon an.

Wie streitet ihr?

In jeder guten Beziehung sollten sich die Partner darauf festlegen, was sie unter Streiten verstehen! Versteht ihr unter einer Streiterei zum Beispiel argumentieren oder schreien? Reden wir also von einem verbalen Kampf, bei dem man sich schreiend, beschimpfend, mit Kissen werfend und mit gemeinen Beleidigungen gegenseitig beschimpft? Das hat mit gewaltfreier Kommunikation nichts zu tun und ist absolut nicht gut für eine Beziehung.

Und wenn ein Streit mehr als nur verbaler Natur ist?

Kämpfe und Auseinandersetzungen können drei Formen annehmen: körperliche, emotionale oder psychologische Gewalt. Körperliche Aggressionen wie

  • Schubsen, 
  • Kneifen, 
  • Ohrfeigen, 
  • Treten, 
  • Würgen, 
  • Schlagen, 

sind in jeder Hinsicht völlig tabu! Manche Paare behaupten, dass solche schlechten Angewohnheiten zu einem "reinigenden Gewitter" gehören oder nur zum Spaß geschehen.

Mann kniet nach einem Streit vor seiner Frau und fleht darum, dass sie ihm verzeiht.

Warum ist das meistens nicht wahr? Wenn man das Gefühl hat, dass eine Situation zu weit gegangen ist, dann weiß man es und fühlt sich schrecklich. Man wünscht sich, es wäre nie passiert. Gerade diejenigen Sachen, die man einmal im Eifer des Gefechts zueinander sagt, sind in Beton gemeißelt und keiner von euch kann diese hässlichen Worte zurücknehmen. Du fühlst dich unglücklich und hast das Gefühl, dass du alles mit anderen Augen siehst! Du fragst dich, wie du überhaupt an diesen Punkt in deiner Partnerschaft gekommen bist! Du bist wie betäubt vor Angst, dass sich nichts ändern wird, während du dich gleichzeitig im Spiegel betrachtest und dich nicht wiedererkennst! Das ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass irgendetwas mächtig schief läuft!

Ist Streiten zur Gewohnheit in eurer Partnerschaft geworden?

Nach einer Weile werden Streitereien und Kämpfe zu einer gängigen Art, miteinander in Kontakt zu treten. So kann es auch in eurer Beziehung werden. Die Streite sind immer negativ, aber zumindest hat jeder von euch noch die Energie oder negative Aufmerksamkeit, um weiter zu streiten. Also streitet man sich, schreit, beschuldigt sich, knallt Türen zu und ignoriert sich gegenseitig. Das Schlimme daran ist, dass dies die einzige Möglichkeit ist, miteinander zu kommunizieren, also rechtfertigt man sich damit, dass es besser ist als nichts!

Paar am Strand, beide tragen Boxhandschuhe und liegen sich lächelnd in den Armen.

Ist die Ruhe nach einem Streit Teil einer gesunden Beziehungsdynamik?

Nach dem Streit fühlt ihr euch vielleicht erleichtert und entspannt. Vielleicht genießt ihr sogar unbewusst diese Atempause, weil sie Teil der Dynamik zwischen euch ist, oder? Es ist der Aufbau von Spannungen, das Streiten und dann das Gefühl der Ruhe nach dem Streit. Oder vielleicht rechtfertigst du es, weil du im Grunde süchtig nach Versöhnungssex bist. 

Wie auch immer du es nennst oder beschreibst, im Grunde handelt es sich um ein Muster. Muster wiederholen sich und sind nicht förderlich für Wachstum und Entwicklung in dir oder deiner Beziehung! Das Leben ist kein Rückspulen, sondern ein ständiger Prozess neuer Entdeckungen in dir selbst und in deiner Partnerschaft, damit ihr gemeinsam organisch aufblüht!

Woran erkennt man, ob ein Streit wirklich etwas bedeutet oder ob er aus Langeweile entsteht?

Manchmal streiten Menschen, weil sie sich langweilen. Sie haben nichts Besseres zu tun oder können keine Gespräche miteinander führen, also gehen sie auf die Menschen los, die ihnen am nächsten stehen – nämlich die Person, mit der sie in einer Beziehung sind. Doch wie kann man das unterscheiden? Woher weißt du, ob diese Streitereien ein Zeichen für ein größeres Problem in der eigenen Beziehung sind? Nimm dir etwas Zeit um in dich hinein zu hören!

Wie gelingt mir das am besten?

Stell dir Fragen wie:

  • Schaue ich außerhalb dieser Beziehung auf andere Menschen?
  • Denke ich darüber nach, die Partnerschaft zu beenden?
  • Glaube ich, dass ich allein oder mit einer neuen Beziehung glücklicher wäre? 
  • Und schließlich: Langweile ich mich mit meinem Freund oder meiner Freundin? Oder langweile ich mich mit mir selbst? 

Der letzte Punkt ist der Wichtigste hier. Die Selbstliebe muss an erster Stelle stehen. Wenn du in deinem Job, in deinen Freundschaften und in deinem Umfeld unglücklich bist, wird sich das höchstwahrscheinlich auch auf die Partnerschaft übertragen. Überprüfe deine eigenen Gefühle sowie deine eigenen Bedürfnisse, unabhängig von deinem Partner, damit du einen besseren Blick darauf hast, wo du in Sachen Liebe stehst!

Woher weiß man also, ob man zu viel streitet?

Beantworte die folgenden Fragen und du erhältst einen ziemlich guten Eindruck davon, wie das Verhältnis mit deinem Partner beschaffen ist!

  • Ist Streiten die neue Norm für euch? Scheint es, als wäre alles ein Streit, bei dem eine schnippische Bemerkung zur nächsten führt?
  • Verbringst du mehr Zeit damit, dich in deiner vermeintlich glücklichen Beziehung durchzubeißen, als einfach du selbst zu sein? Bist du ständig auf der Hut, was du sagen und wie du es sagen sollst?
  • Es ist schon so lange her, dass du den Überblick darüber verloren hast, wie viel Spaß ihr früher miteinander hattet.
  • Könnte es sein, dass ihr euch auseinandergelebt habt? War am Anfang eurer gemeinsamen Zeit alles großartig?
  • Lebst du mit einer Person zusammen, die dir fast fremd geworden ist? Vielleicht hat einer von euch aufgehört, sich gefühlsmäßig in der Partnerschaft zu zeigen. Oder wenn du deinen Partner ansiehst, siehst du dann, wie unglücklich er sowohl zu Hause als auch bei der Arbeit ist?
  • Flüchtet sich einer von euch in Verdrängungsmechanismen wie Alkohol oder Drogen?
  • Es geht nicht nur um deinen Partner! Du siehst dich selbst an und es gefällt dir nicht, wie du dich in dieser Beziehung verändert hast? Du dachtest, du hättest es im Griff, aber du merkst, zu welchem Preis?

Hier ist ein Tipp: Wenn es sich wie ein Problem anfühlt, ist es auch ein Problem!

Verliebtes und glückliches junges Paar beim Winterurlaub.

Für welche Art von Beziehung lohnt es sich zu kämpfen?

Menschen lassen sich oft fälschlicherweise von ihrer Loyalität und ihrer Vergangenheit mit einer anderen Person beeinflussen. Loyalität ist eine großartige Eigenschaft. Sie kann aber schädlich sein, wenn sie der einzige Grund dafür ist, mit jemandem zusammen zu bleiben. Auf der anderen Seite finden wir uns manchmal in Beziehungen mit Menschen wieder, die das komplette Gegenteil von uns sind. Verbindungen zwischen Menschen, die unterschiedliche Wertvorstellungen haben, können konfliktreicher sein als andere. Davon sollte man sich jedoch nicht entmutigen lassen! Wenn du das Gefühl hast, dass du diesen Konflikt bewältigen kannst oder zumindest das Gefühl hast, dass du von deinem Partner gehört wirst und mit ihm verbunden bist – darum geht es wirklich.

Fazit: Welche Beziehung ist also all der Mühen wert?

Eine Beziehung, in der man sich gehört, erfüllt und unterstützt fühlt. Bewahrt euch die Fähigkeit, euch durch alle Höhen und Tiefen hindurch immer wieder aufs Neue zu verlieben! In jeder Beziehung gibt es Zeiten, in denen man sich distanziert und unnahbar fühlt, vor allem in Phasen des Stresses oder des Übergangs. Doch die Fähigkeit, nach einem Streit wieder zusammenzukommen und wieder voneinander zu lernen und diese Wärme für den Partner zu empfinden, das ist es, was eine glückliche, zufriedene und funktionierende Beziehung sowie eine gesunde Streitkultur ausmacht.